Jehtoch!

Was in Ägypten und Tunesien ging, hat anscheinend in BaWü auch geklappt, sogar fast gewaltfrei – eine fast 60jährige Herrschaft zu beenden. Was sicher interessante Veränderungen besonders im mittleren und unteren Verwaltungsfilz bedeutet, der ja jahrzehntelang ungestört rumwuchern konnte.
Besonders freut es mich aber für Rheinland-Pfalz, meinem Heimatland. Wenn ich daran denke, wie ich, als ich das erste Mal wählen durfte, das Wahlergebnis der Grünen in meinem Dorf um 100% steigerte – da werden nämlich am nächsten Tag die Stimmen kontrolliert, und die andere grüne Stimme gehörte einer Frau, die als irre und “mit der spricht man nicht” schon seit Jahren aussortiert war. Da wurd man am nächsten Tag von vielen argwöhnisch angesprochen.
Und jetzt gehts auch dort nicht mehr ohne grün, auch wenn ich die eine Spitzenkandidation mehr als fragwürdig finde.

13 Gedanken zu „Jehtoch!

  1. Llama (Gast)

    Wie bitte!? Stimmenkontrolle? Was ist denn aus geheimer/anonymer Wahl geworden?? Oder ging das da noch a la “jeder ein Zettelchen und einer hält nen Hut hin” zu? :-D

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  2. Llama (Gast)

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    Ah, das war ja die Erstwahl! Jetzt versteh ich. (Ich habe die Situation förmlich vor Augen, wie gezählt wird und sich bei einem Zettel alle Augen im Raum auf den jungen Lucky richten! Dramatisch mit Hitchcock-Fanfaren und so.)

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  3. arboretum

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    In unserem Vorort waren es mehr als zwölf Mal so viele Seelen. Man wusste trotzdem, von wem immer die eine NPD-Stimme kam, die in den Zeitungstabellen für diesen Stadtteil auftauchte.

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  4. croco (Gast)

    Bei uns auf dem Berg, der aus drei kleinen Dörfern mit je zehn Häusern bestand, gab es vier Stimmen für die Grünen.
    Der Rest war fast nur schwarz oder braun.
    Die vier Grünenstimmen mussten von den Leuten aus dem Kommune kommen. Kommune war das Wort für die Bewohner eines roten Hauses, die aus Frankfurt zugezogen waren und deren Familienverhältnisse nicht herauszubekommen waren. Meinte mein Vater.
    “Aus dem roten Haus können nur zwei der Stimmen kommen,” antwortete meine Schwester.
    Wir haben ihn fast zum Herzinfarkt gebracht.

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  5. arboretum

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    Hahaha, großartige Geschichte. Ihr Vater hat sich davon hoffentlich rasch wieder erholt.

    Mein Vater hat mich vor ein paar Jahren bei irgendeiner Wahl, bei der man wild kumulieren und panaschieren durfte, damit überrascht, dass er erzählte, er habe “diesmal nur Frauen gewählt”.

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  6. luckystrike

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    Für meine Eltern war es auch ein Schock, aber bei weitem nicht so schlimm wie mein Kirchenaustritt bald danach…
    Allerdings konnten sie es sich eh schon denken, ich war ja auch der erste Kriegsdienstverweigerer weit und breit.

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  7. luckystrike

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    @Ms Arbo: Naja, Mann kann manwirklich nicht sagen, ich war ein verschreckter Junge, wenngleich mit Dickkopf. Aber im Nachhinein, da hört es sich doch wirklich heroisch an. Kein Wunder, daß alle jüngeren männlichen Verwandten auch “anders” wurden, wenn auch nicht schwul.

    @Timan: Mitte der 80er sagte man noch so dazu. Da sagte man auch noch Krieg, wenn irgendwo Soldaten andere Menschen zerschießen und zerbomben, und nicht mblbrmh-Handlungen.
    Und glaumse mir, das war die definitiv mutigere Entscheidung damals!

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  8. timanfaya

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    also ende der 80er, da hat die hälfte meiner freunde schon ohne große schwierigkeiten verweigert – während ich irgendwo in den unendlichen weiten norddeutschlands darauf wachen durfte, dass die roten uns nicht im tiefflug überraschen. und ich kann berichten: es war der völlige irrsinn, was damals zwischen ost und west so passierte …

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  9. timanfaya

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    sicher auch ein regionaler unterschied. ende der 80er, da hat die hälfte meiner freunde schon ohne große schwierigkeiten verweigert – während ich irgendwo in den unendlichen weiten norddeutschlands gedient habe darüber wachen durfte, dass die roten uns nicht im tiefflug überraschen. und ich kann berichten: es war der völlig abstruse irrsinn, was damals zwischen ost und west so alles passierte …

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