Posthume Geschenke

Meine Mutter hatte den Hang zu “Mautschen”, das sind kleine Nester mit Geld für Unvorhergesehenes, nest-eggs sagt man wohl auf Englisch.
Entstanden ist das wohl aus den Zeiten, als wir sehr arm waren, in denen sie immer ein wenig Geld extra erwirtschaftet hatte, durch Eier oder Gemüse verkaufen oder ähnliches, um das Geld dann für uns Kinder oder bei Katatrophen ganz stolz hervorzukramen.
Natürlich hatte ich die Schränke schon vor zwei Jahren danach durchsucht, und auch mehrere gefunden, aber jetzt beim Schränke räumen fanden wir zwischen den Sonntagspullis einen weiteren Umschlag mit der Handschrift meiner Mutter “1330 Euro”
Darin waren noch über 600 Euro, meine Schwester wurde ganz grün im Gesicht und mußte sich erstmal setzen. Aufs Konto soll das Geld, meinte sie.
Ich fand aber, daß wir das ruhig als letztes Überraschungsgeschenk verstehen und uns freuen sollen, und sich jeder etwas dafür kaufen soll, was wir uns sonst nie gekauft hätten, etwas, was uns immer an dieses letzte Geschenk erinnern wird.

5 Gedanken zu „Posthume Geschenke

  1. Polaris (Gast)

    Ach, Herr Lucky!
    Da haben Sie Ihre Schwester hoffentlich überzeugen können?!?
    Meine Mutter hatte auch eine ähnliche Angewohnheit.
    Und so kommt es immer wieder zu überraschenden Begegnungen!
    Das finde ich total schön!!

    Antworten

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