Taschenofen

OMMMMM- holen Sie doch mal tief Luft. Nochmal, ganz tief, in sich hinein. Augen schließen. Wir machen jetzt eine kleine Reise, und machen uns das schön, kennen Sie doch, müssen wir doch eh immer.
Also:

Klebrig wachen Sie auf, das dünne Laken schweißgetränkt. Schon am frühen Morgen 25 Grad, set Tagen, ach Wochen, wo soll das noch hinführen?
Nackt gehen Sie auf den Balkon, auch hier kein Lufthauch, kein Windchen. Ins Bett kamen Sie erst gegen 4 Uhr morgens, zu heiß. Die Zeit bis dahin haben Sie zuerst in der O-Strasse vor dem Roses verbracht, mit fast nichts am Leib außer Shorts, weitem Hemd, FlipFlops und einem Caipi.
Zuhause ist die Wohnung noch zu aufgeheizt, also noch einen spanischen Weißwein mit viel Eis, oder zwei.
Zum Frühstück nur enen gut gekühlten Apfel, kein Kaffee, man will den Kreislauf ja ncht unnötig anheizen.
Die Dusche auf kalt, und nicht abtrocknen, sondern sich nass in den lichten Schatten auf den Balkon setzen.
Heute auf keinen Fall Unterwäsche. Aus dem Hemd noch die Ärmel rausschneiden, die Baggy Pants, FlipFlops. Herrlich, so ein Leben mit nur 3 Kleidungsstücken.
Beim Öffnen der Haustür schlägt Ihnen die Stadt mit über 30 Grad entgegen, stickig und staubig steht die Luft, der Verkehr ist zähflüssig. Ein junger Mann fährt mit nacktem Oberkörper, nur mit einer leichten Schweißschicht bedeckt, auf dem Fahrrad an Ihnen vorbei.
Auf dem Weg ins Büro viel freier Blick auf pralle Waden und Einsicht auf stramme Männerbrüste. Puh, ist das heiß! Atmen fällt schwer, und nass ist man auch schon wieder.
Im Büro steht die Luft, die Brühe rinnt nur so an einem runter, es hilft nichts, Füße in einen Eimer mit kaltem klaren Wasser.
Es hilft nix, die Stadt brütet, die Hitze brüllt, kein laues Windchen – also besten Freund geschnappt, raus aus dem Büro, Zwischenhalt Tanke, eisgekühlten Weißwein, an den See – Boote aufpumpen, Luftmatratzen, raus, ankern, und dann ab ins Wasser, nackt, und dort bleiben. Über Stunden.
Wenn es dann dämmert, und ein wenig frisch wird, wieder zurück in die Stadt, der warme Fahrtwind fühlt sich im Cabrio an wie Kalifornien. Gegen das Brüllen des Fahrtwinds kann man herrlich ansingen.
In der Stadt steht die Luft immer noch wie Aspik, Staub legt sich auf die feuchte Haut, also bleibt Ihnen nichts übrig, als im festlich indsch geschmückten Garten vom Mirchi noch was sehr Scharfes zu essen, und dann den Abend vor den Bars auf der Straße mit kalten Getränken zu verbringen. Die Hitze und die Nacktheit auf der Straße und die Erinnerung der Wellen auf der Haut macht lüstern, aber es ist viel zu schwül, etwas dafür oder dagegen zu unternehmen, also genießt man den Zustand.
Gegen 2 Uhr kommen Sie zu Hause an, aber das Bett ist noch viel zu warm, und ab hier können Sie wieder von oben anfangen zu lesen.

Vielleicht hören Sie dazu noch Fieber von Peter Fox. Oder von Bébé den Ska de mi Tierra (La Tierra tiene Fiebre!)

Na, hats geholfen?

9 Gedanken zu „Taschenofen

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