Archiv für den Monat: November 2009

Geheimniskrämerei

Was Sie vielleicht nicht wußten, woher auch: Ab und an schreibe ich Beiträge, die ich dann aber nicht online stelle, sei es, daß ich sie dann doch blöd finde (hält mich meist nicht immer davon ab, wie Sie wissen), oder jemand beleidigt sein könnte, oder daß mir etwas peinlich sein könnte (stellense sich das mal vor!)
Jedenfalls, nach ein paar Monaten stelle ich sie dann doch heimlich online, weil ich nicht an mir halten kann, und wo sie doch schon mal geschrieben sind. Kriegt ja keiner mit.
Ach, bevor Sie jetzt suchen gehen: Machen Sie sich keine Mühe, so interessant sind sie auch wieder nicht.
Umgekehrt habe ich allerdings auch den ein oder anderen Beitrag offline genommen, weil ich mal wieder so blöd war, dem ein oder anderen den Link zu hier zu geben. Was mich ärgert, denn Beiträge gehören in die freie Wildbahn.

Tunten & Technik III: Alaaaaarm bei Lucky

(aus der Reihe “Wie handwerklich begabte Homosexuelle sich selbst ganz professionell und ohne ADAC aus der Autopanne helfen”

Zu sagen, der Lucky wäre ganz entspannt bei seiner Deutschland-Durchquerung per Autobahn wäre genauso falsch wie die Behauptung, daß Gürtelrosen die schönsten Rosen seien.
Es hängt ja schließlich immer am ganz dünnen seidenen Faden, der Tank kann sich leeren, die Abfahrt verpaßt werden, ein Reifen platzen oder Herr Lucky einschlafen oder sich beim Spurwechsel vertun, um nur einiges zu nennen.

Jedenfalls, gestern in Herford (oder so ähnlich), Mitte der Strecke, vorbildlich und zum richtigen Zeitpunkt getankt, Proviant und Wasser für den Fahrer besorgt, losfahren wollen, da ertönt dieses penetrante Tüdelüdelüdelüdelüdelüdel, welches mir sagen soll, daß mit dem Auto was nicht stimmt, und die STOP-Leuchte blinkt auf, die mir sagt, daß ich sofort das Auto stehen lassen und mich an einen Vetragshändler wenden soll. Um acht Uhr Sonntag abend, auf einem novembernachtdunklen Rastplatz in Herford. Wo ich eben noch vorm Toilettenbesuch beschlossen hatte, dieses Mal auch zu reagieren, wenn vor mir wieder jemand so mit seinem Gemächt vor mir wedelt wie bei der Hinfahrt.

Ich schweife ab. Also erstmal Geräusch ignorieren. Leider eskaliert es, bevor ich den Parkplatz verlassen habe, also zurücksetzen und wieder parken. Motor aus, Motor an. Jetzt gehts! Nee, doch nicht.
Ich weiß nicht, obs nur mir so geht, wohl nicht, aber der Anschein von gutsortiert, fachmännisch und selbständig in der Welt zurecht kommen ist zumindest bei mir hauchdünn bis fadenscheinig, und in solchen Momenten knäult sich der weitläufige Magen des Lucky zu einem kleinen ängstlichen Mäuschen und Lucky selbst mutiert zu einem hilflosen 3jährigen, der mal wieder was angestellt hat und bestraft werden muß.
Also Aktion: Motorhaube auf (sieht immer professionell aus und vielleicht kommt jemand helfen, neugierige Menschen gibts ja immer) und Handbuch raus. Hmh, Kühlfüssigkeit, Bremsflüssigkeit, Motoröl. Kühlflüssigkeit, könnte es sein, Motor ist ja sehr heiß, oder kommt das vom 180-Fahren? Wasser ist ja da. Nimmt man da Wasser, oder was spezielles? Mal in den Tankshop fragen. Oh, der ist sehr voll, und womöglich die Frage peinlich. Sowas weiß ja schließlich jeder, der Auto fährt. Eigentlich.
Oder einfach auf dem Parkplatz in ein kleines Knäuel zusammenknäueln und sterben, unauffällig? Oder doch den ADAC anrufen? Motorhaube wieder zu, Motor an. Tüdelüdelüdelüdelüdelüdel. Rückwärtsgang, komisch, dann tütets nicht. Also los. Doch nicht, es fängt wieder an.
Blanke, nackte Verzweiflung, sogar Rauchen ist vergessen. Es sind doch noch 380 km bis Berlin!
Schluck Wasser aus neu gekaufter Flasche, das Tüdeln hört auf. Gut. Wasser absetzen, Mist, jetzt fängt es wieder an.

Moment.

Wasserflasche anheben. Tüdeln hört auf. Wieder abstellen, Tüdeln fängt an. Nachschauen.
Oh. Die Wasserflasche stand auf dem Schalter zum Öffnen des Cabriodachs. Das löste den Alarm aus.

Und so hat Herr Lucky einiges Geld gespart, den ADAC nicht gebraucht, sich nicht im Tankshop vor restjugoslawischen Truckern blamiert und einen alarmierenden alarmauslösenden schweren gravierenden Ausnahmefehler an seinem Auto selbsttätig mit seinen eigenen Händen behoben (so wie damals das mit der Fußmatte, s.o.) und kann wieder in die Nacht hinausfahren.
Der Magen allerdings entknotete sich erst bei Helmstedt.

Perfide

Gestern auswärts festgestellt, daß der Muff eines seit anderthalb leerstehenden Hauses mit gut gefüllten Schränken sich dann doch überall drauflegt, wie ein öliger Film.
Während man drinnen ist, bemerkt man ihn kaum, erst wenn man sich in lebendiger Umgebung befindet, riecht man wie 3 Altenheime.
Ich fahre dann heute mal zurück, 1/4 des Ausräumens erst erledigt, und wasche alles gründlich. Dann doch lieber nach kalten Rauch stinken.

Schuhe

Heute 68 Paar Schuhe in Müllbeutel verpackt.
Meine Mutter war sicher keine Imelda Marcos, aber immer auf der Suche nach dem perfekten bequemen, und möglichst auch nicht zu häßlichen Schuh für ihre geschundenen Füße und Knochen – eine Utopie, wie es scheint.

Right Things to do in November

Eine Woche Urlaub im November, und dann nicht in die Sonne flüchten, sondern in das kleine Dorf in der Eifel fahren, das hatte sich vage vorher schon als ziemlich bescheuert angefühlt, aber ich hatte keine Zeit, mit klare Gedanken zu machen, und irgendwie auch Sehnsucht.
Richtig bestätigt wurde ich am Sonntag auf der Autobahn, als ich nach durchzechter Nacht im Glamourdick Mansion nachmittags aufwachte und dachte, heute kannst du eh nix ausrichten, dann kanst du dich auch auf die Autobahn werfen. Um nach Einbruch der Dunkelheit bei Sprühregen übernächtigt und verkxxxatert dreispurig durch Baustellenumleitungen zu gleiten, braucht man Gottvertrauen, oder die Hoffnung jemals anzukommen schwindet rasant. Gottvertrauen habe ich nicht.
Jedenfalls, entgegen aller Wahrscheinlichkeit bin ich angekommen, und das leere Haus hat mich gut aufgenommen, Schwester hält es wirklich gut in Schuß. Jeden Morgen quetscht sich der verheulte Hmmel eine Stunde Sonne ab, wenn ich aufstehe, man gibt sich Mühe hier.
Waffeln von der einen, selbstgezüchtete Eier von der anderen Nachbarin.
Ein nächtlicher Allerheiligen-Besuch auf dem Friedhof, wo sich mittlerweile die Mehrheit der Familie befindet.
Zwei Häuser weiter hat sich ein 82jähriger Mann aufgehängt, in der Scheune, während seine Frau die Tasche fürs Krankenhaus packte. Frisch rasiert hat er sich noch, dann mit seinen Krücken eine Leiter hochgeklettert, sich die vorbereitete Schlinge um den Hals gelegt, und gesprungen. Er wollte wohl nicht ins Krankenhaus. Überraschend und entsetzlich für die Familie, wohl vorbereitet für ihn.
Gestern angefangen, im Haus zu räumen. Erstmal in der 50er/60er-Stube (wir haben auch ein 70er/80er Wohnzimmer), da zeitlich und emotional am weitesten entfernt. In jedem Zimmer Sediment an Andenken und Tinnef aus der Zeit und Generation, in der es am meisten bewohnt wurde. Hier: 40er bis 60er. Vor meiner Zeit.
In einer Ecke aber der Karton mit bestellten Sämereien 2008. Sommerastern, Buschbohnen, Tagetes, Zucchini wollte sie haben in 2008, aber es kam nicht mehr dazu.
Wenig geweint bisher, es ist wohl an der richtigen Zeit.