Von wegen Asche zu Asche

Warnhinweis: Dieser Beitrag ist ganz sicher nicht Mittagspausen-Salat-oder-Baguette-kompatibel. Er enthält einige Dinge, vor denen Sie sich ernsthaft ekeln werden.

Wohl eher Fleisch zu Fleisch, wenn man das so nennen will. Nein, keine erotischen Konnotationen hier bitte.

Also, wenn jemand stirbt, dann braucht er oder sie in der Regel ein Grab. In meinem Dorf macht das jetzt so ein Depp, der im Besitz eines Minibaggers ist. Früher mußte man bzw. die Nachbarn das selber von Hand machen.
So gesehen ein Fortschritt, aber dem Deppen muß man auf die Finger Baggerschaufel gucken, wenn ich das vor einem Jahr nicht gemacht hätte, dann hätte er glatt meinen Vater ausgebuddelt, um meine Mutter zu beerdigen, denn wir waren uns uneinig wer wo liegt, bis schließlich der Bürgermeister, der einen Lageplan (!) in letzter Minute mit der wichtigen Information kam.

Bei meiner Tante letztens war es so, daß die schon ein Familiengrab hatten, was abgelaufen war, mit meinen Großeltern drin. Die waren vor 32 Jahren innerhalb von 4 Tagen verstorben, meine Oma hatte meinen krebskranken Opa rechts überholt, mit einem absichtlichen oder unabsichtlichen Hirnschlag angesichts seines Zustandes.
Jedenfalls läuft so ein Grab nach 30 Jahren ab, und es kann neu belegt oder von der Familie verlängert werden. Praktischerweise hatten Onkel und Tante genau das vor ein paar Monaten getan, damit sie später eben dort beerdigt werden könnten. Daß später sehr bald sein würde, haben sie sich damals wohl nicht vorgestellt.

Was man auch wissen muß, ist, daß eine Leiche nicht unbedingt in 30 Jahren verrottet. Wenn der Grundwasserspiegel zu hoch ist, verrottet gar nichts und es entstehen sogenannte Wachsleichen.

So vermutlich auch im Fall meiner Großeltern, als das Grab auf der linken Seite, der meiner Oma (Frauen kommen anscheinend brauchtumsmäßig nach links), ausgehoben war, sah man sehr viel Wasser und am Rand im Wasser den sehr gut erhaltenen Sarg meines Opas, inklusive Sarggesteck, dessen Grünzeug noch gut zu erkennen war, nur eben in Schwarz.
Den Sarg mit meiner Oma müssen sie wohl mit ausgegraben haben und in dem Container mit dem Aushub verstaut haben, der dann in der Sonne dort drüben stand.
Da es im Dorf meiner Heimat kein Knochenhaus oder so etwas gibt, wo ausgegrabene Tote endgültig aufbewahrt werden, sondern die gefundenen Reste immer einfach wieder mit aufgefüllt werden, nehme ich an, daß sie meine Oma, die im übrigen schon im Leben eine sehr unangenehme und gehässige Person gewesen war, einfach wieder mit aufgefüllt haben, auf meine Tante drauf.

Ich denke also seit einiger Zeit ernsthaft über eine Feuerbestattung nach.
Nein, nicht für jetzt, für später.

18 Gedanken zu „Von wegen Asche zu Asche

  1. kittykoma

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    nein, nicht alle. es gab auch die leute, die auf ihrem gemütlichen sarg bestanden. aber der überwiegende teil waren feuerbestattungen. freiwillig.

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  2. spontiv (Gast)

    … stelle ich mir ja irgendwie … äh… ruhiger vor.

    Aber ist doch auch schön, so kommt wenigstens mal ein bißchen Bewegung in die morschen Knochen!

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  3. kittykoma

    verstehe ich. der ossi kennt ohnehin nix anderes.
    das erinnert mich an den tag, als ich heman auf dem stralauer friedhof erklärte, warum die gräber hier so klein sind. der war völlig baff.

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  4. walküre

    Bloggen bildet. Die Existenz von Wachsleichen war mir bis dato nicht bekannt. :-)

    Was den Blumenschmuck (auf den Sie reflektieren, wenn ich Sie richtig verstanden habe) bei einem Urnengrab anbelangt, so muss ich sagen, dass es hier auf die Anlage des Grabes ankommt. Es gibt nicht nur schlichte glatte Steinplatten, sondern ich habe auch schon Nischen gesehen, in den man Kerzen und Blumen dekorativ anordnen kann. Zumindest in vorwiegend katholischen Regionen; der evangelisch Glaubende hat es ja nicht so mit den Kerzen (wurde mir zumindest einmal erklärt).

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  5. breezerbox

    Nach 30 Jahren sind die Würmer noch immer nicht fertig? Och nö, nicht schön. Wenn Du Blümchen willst, lass Deine Asche auf einer Blumenwiese verstreuen. So eine spezielle Wiese soll es auch im Raum Berlin geben. Und ganz ohne Bagger, wenn nicht gerade dort jemand einen neuen Praktiker Markt plant.

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  6. arboretum

    REPLY:
    Demnach lesen Sie keine Krimis. Da kommt das öfter einmal vor, gerade heute früh las ich, wie dieses Leichenwachs entsteht. Das erste Mal hat mir aber mein Vater von Wachsleichen erzählt. Unvergesslich ist mir auch seine Schilderung vom Geruch in Leichenhallen ohne Kühlkammern im Sommer. Als ich ihn fragte, wer das denn dann wegwische, antwortete er: Der Totengräber. Wir standen übrigens in Kehl an der Donau an der Walhalla, wo Fabrikschlote ganz widerlich süß stanken. Nach Leiche, wie mir mein Vater erklärte. Später wusste ich dann, dass er recht hatte.

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  7. walküre

    REPLY:
    Ich lese sehr wohl Krimis. Aber halt welche ohne Wachsleichen, zumal das ja dauert, bis die Leichen zu Wachsleichen werden. Mir sind frische Mordopfer lieber.

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