Ruhig hier am Morgen

Noch als ich das letzte Mal hier in der Eifel war, mußte ich die Jalousien unten lassen, bis ich den ersten Bottich Kaffee getrunken und im Bad war, denn ab ca. 7:30 gaben sich hier Tante und Nachbarn die Fußmatte in die Hand, weil sie sich so gefreut und aufgeregt hatten, daß der Junge aus der großen Stadt wieder zu Besuch war. Mindestens alle Viertelstunde wurde nachgeschaut, ob er schon wach war, und zur Not mit den anderen Nachbarn telefonkonferiert, bis man zuschlagen konnte. Die wichtigen Sachen erledigt man hier morgens. Frühmorgens.

Das ist jetzt nicht mehr nötig, denn die Lieblingstante liegt, oder besser gesagt, sitzt im Krankenhaus, Magenkrebs wohl im Endstadium (nicht daß die Ärzte dazu irgendeine Auskunft gäben, man reimt sich halt nur ein paar Sachen zusammen als Angehöriger), sagt nichts mehr und schaut nach weit weg.

Eigentlich bin ich hergekommen, um die persönlichen Besitztümer meiner Mutter in dem nun hälftig meinem Haus zu sortieren, und hatte mich auf die aufdringliche, aber fürsorgliche Dorfgemeinschaft gefreut, Heimat eben.

Na zumindest die Nachbarin mit dem geschrotteten Kurzzeitgedächtnis hat bei meiner Schwester angekündigt, daß sie mich zum Ausgleich jetzt mehrmals täglich besuchen will. Das kann heiter werden.

6 Gedanken zu „Ruhig hier am Morgen

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