Pralles Leben – so und so

Dralle Zeiten, Frühling, Wärme, langsam und noch etwas wacklig auf den Beinen kriecht die seit Monaten eingemottete Lebenslust wieder aus dem Schrank.

Halbnackte Dachdecker erinnern an längst vergessenes Verlangen, und daß Wunder geschehen. Können. Könnten.

Was vorher geschah: man saß in der goldenen Morgensonne mit Blick auf pralle Blümchen. Und weinte eine Stunde lang am Telefon. Die Halbschwester meiner Mutter ist im Krankenhaus, Magenkrebs, sehr ernst die Lage. Offensichtlich ist sie nicht gut über den Winter gekommen und hat anscheinend in vielen schlaflosen Nächten schon eine einsame Entscheidung getroffen. Viel zu jung, noch nicht dran.
Nun würde ich nicht jeder Tante so nachheulen, aber es ist beeindruckend, über wie viele Schatten eben jene gesprungen ist in den letzten Jahren, noch selten hat sich jemand so um mich bemüht, so viele Mauern eingerissen, um Kontakt zu mir zu bekommen. Wo sie doch so verschlossen ist, eigentlich.

Danach dann eben jener Anblick auf dem Dach. Tod und Leben in einem Atemzug. Schon viel und heftig.
Und weil da in aller Intensität offensichtlich in der Mitte etwas ganz Häßliches und Unnützes fehlt, macht dann im Büro der Monsterkunde mächtig Ärger, den ich letztes Jahr leider doch nicht los wurde.

Wahrhaft, prall, das Leben.

Gestern beim Müsliessen lugte etwas dunkles, rundes aus dem Joghurt hervor. Ich hab es dann schnell untergerührt, aber dann kam mir der Gedanke: War das jetzt eine Rosine, oder doch vielleicht eine Spinne? (Ich hatte vorher die Spinnweben von der Zimmerdecke weggefegt)
Ich habe das Müsli dann doch vorsichtshalber entsorgt, würgte dann aber doch ganz schön an dem einen Löffel, den ich schon geschluckt hatte.

2 Gedanken zu „Pralles Leben – so und so

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