Between a Man and a Woman – Weihnachtsausgabe

Where angels fear to tread
you go rushing in (…)
Stay out of this
you must not interfere
Don’t you see this is
Betweeen a man and a woman
(Kate Bush)

Die Nachricht kam nicht wirklich überraschend, aber eine Woche vor Weihnachten, das hat schon was: alte Freundin A., seit 17 Jahren verheiratet, 3 wunderbare Kinder, hat sich von ihrem Mann R. getrennt.

Gefühllos sei er, unsensibel, denke nur ans Geld und übe irrsinnigen Druck aus auf sie deswegen, über Emotionen könne er nicht reden, und wenn er alle paar Wochen am Wochenende nach Hause kommt, sei er mißlaunig, überfordert, motze die Kinder an und mische sich überall ein.

Er lebt in Wien, hat da einen 80-90-Stunden-pro-Woche Job, hat Magengeschwüre, schlechte Zähne und schläft höchstens 4 Stunden pro Nacht. Immerhin schafft er so um die 8.000 € zusammen, um Familie und Haus zu unterhalten.

Sie wolle ihn mindestens 3 Monate weder hören noch sehen, und wenn er Weihnachten nach Hause kämse, würde sie ihm ein Messer in den Bauch rammen, so einen Haß habe sie.

Nun, wir sind seit über 20 Jahren befreundet, also gehen erstmal alle Empathien in ihre Richtung, auch ist die Sorge um die Kinder groß.

Aber er ist ein feiner Kerl, grundgut, keine falsche Faser an Leib und Seele, und er tut mir leid, wie er allein sitzt in der fremden Stadt, in der er eigentlich nicht leben will, ohne Freunde. Also frage ich, ob es in Ordnung ist, wenn ich ihn anrufe, falls er jemand zum Reden braucht.

Es ist später Abend, er ist verwundert, daß ich ihn anrufe, aber nicht befremdet. Von einer Trennung hat er noch nichts gehört, außer daß A. offensichtlich durchgedreht ist und er sie nicht telefonisch erreichen kann.
Er ist entsetzt, als er hört, daß A. die Kinder schon informiert hat. Er fängt an zu weinen, als ich ihm ein paar gute Worte sage, hat wohl lange keine mehr gehört.
Und, unmittelbar fängt er von finanziellem Druck und Sorgen zu reden, wie ein Wasserfall. Hat A. recht?
Im Detail sieht es ein wenig anders aus: Hat A. ein Problem?
Ist es normal, in 2 Wochen Berlinbesuch 4.000 € auszugeben, so daß alle Karten und Konten gesperrt sind?
Ist es normal, daß sie und die Kinder im Sommer 4 Wochen in Deutschland unterwegs waren, aber ihn nicht in Wien besuchen wollten?
Ist es normal, daß eigentlich die ganze Familie nach Wien umziehen wollte, die Kinder schon Schulplätze hatten, das Haus gepackt und der Umzug fertig vorbereitet, aber 10 Tage vor Abreise geht das ganze aus mysteriösen Gründen nicht mehr?

Hmh, vielleicht hat Kate recht und man sollte sich wirklch nicht dazwischen hängen…

14 Gedanken zu „Between a Man and a Woman – Weihnachtsausgabe

  1. walküre

    Mein Gefühl sagt mir, dass der Frau nicht zu trauen ist; in einer mir erinnerlichen ähnlichen Situation hat sich herausgestellt, dass die Frau einen Liebhaber hatte und ihren Mann mittels Psychoterror sozusagen hinausekeln wollte, um eine Scheidung zu ihren Gunsten zu provozieren.

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  2. kittykoma

    Oh Mann, das ist eine unangenehme Situation. Komischerweise begegnen mir solche Paare beziehungsweise solche Geschichten in der letzten Zeit immer öfter. Ketzerisch würde ich sagen, das ist ein typisches Wessiproblem. Aber so richtig stimmt das nicht. Im Osten wurde die Entfremdung nur nicht aufs Geld geschoben, da ging es dann eher um ideologische Sachen.
    Warum passiert das irgendwann? Das sich ein Paar einkapselt, jeder für sich auf seinem Aufgabenfeld und in seinem vermeintlichen Heldenmut. Die Mutter, die wahrscheinlich mit ihren drei Kindern eine geschlossene Einheit bildet. Der Mann, der sein Selbstwertgefühl ausschließlich aus dem Job bezieht.
    Wie viel verschenkte Lebensjahre sind das. Und was für eine zerstörerische Energie werden diese Menschen entwickeln, wenn sie erstmal beschlossen haben: Jetzt wird alles anders!
    Und wie immer wieder versucht wird, über Geld und Konsum alles zu heilen. Ich kenne deine Geschichte aus meiner unmittelbaren Umgebung. Gott sei Dank gab es keine Kinder. Aber zurückgeblieben sind eine einsame, alternde Frau, die die Abfindung aus der Scheidung in Windeseile durchgebracht hat und ein Mann, der kurz nach der Scheidung den Job verloren hat (Sozialplan, er war als einziger unverheiratet und ohne Kinder) und damit seinen Lebensinhalt.
    Bitter, sehr sehr bitter.

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  3. luckystrike

    REPLY:
    Ich glaube schon, daß ihr absolut zu trauen ist, sie ist eine meiner ältesten Freundinnen und sehr zuverlässig eigentlich, und sorgt bis zum Umfallen für ihre wunderbar erzogenen Kinder. Einen anderen gibt es mit Sicherheit nicht
    Aber es ist möglich, daß sie ein kleineres oder größeres Suchtproblem hat, mit dem Geld ausgeben, das verunsichert mich.
    Es ist auch nicht rational nachzuvollziehen, was sie denn eigentlich konkret gegen ihren Mann hat, aber Emotionen sind nun mal genau so konkret wie Gründe oder Fakten, und da ist sie definitiv aus dem Häuschen.

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  4. arboretum

    REPLY:
    Klingt auch etwas danach, als müsse er in allem als Sündenbock für die eigene Unzufriedenheit herhalten, an der aber nur sie selbst etwas ändern kann.

    Außerdem scheinen die Beteiligten sehr unterschiedliche Erwartungen an die gemeinsam verbrachten Wochenenden zu haben. Wenn er so viel arbeitet und so wenig schläft, ist es kein Wunder, wenn er von allem genervt ist, der dürfte ziemlich platt sein in seiner freien Zeit. Wer sehnte sich da nicht nach Ruhe und Erholung?

    Und diese Geldsachen, um die er sich sorgt, dürften die Laune auch nicht verbessern. Dass der Versuch, die Kinder an den raren Familienwochenenden mitzuerziehen, dann daneben geht, überrascht auch nicht.

    Abgesehen davon gibt es in Fernbeziehungen immer auch Momente, wo man beim Wiedersehen etwas fremdelt und erst einmal wieder Nähe und Vertrautheit herstellen muss.

    Fragt A. sich eigentlich auch einmal, wie es ihm geht? Oder nimmt sie ihn nur noch als Geldverdienmaschine wahr, die gefälligst reibungslos zu funktionieren und nie zu murren hat und sie außerdem in der wenigen gemeinsamen Zeit zu unterhalten und zu bespaßen hat, für romantische Stimmung zu sorgen und all ihre emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen hat? Welchen Rückhalt hat sie ihm eigentlich in dieser Lebenssituation gegeben?

    Wenn das meine Freundin wäre, würde ich mir all ihre Klagen geduldig und wenn es sein müsste auch immer wieder anhören – aber ich würde ihr auch mal gehörig in den Hintern treten. Für mich klingt das nämlich eher nach einer überdrehten Hausfrau, der es im Grunde materiell viel zu gut geht, ohne dass sie das zu schätzen weiß. Ich wette, der Kerl hätte sich auch etwas besseres vorstellen können, als immerzu allein in Wien zu hocken und sich halbtot zu arbeiten.

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  5. arboretum

    REPLY:
    Hoffentlich wirkt der und kommt auch noch rechtzeitig. Wenn er jetzt nämlich auf die Idee kommt, sich lieber anderweitig zu trösten*, wird sie sich womöglich noch ganz schön umgucken. Das Scheidungsrecht wurde geändert und sie müsste wahrscheinlich für 4.000 Euro netto ganz schön lange arbeiten. Und ab 40 findet sich auch nicht mehr so leicht ein anderer Mann, schon gar nicht mit drei Kindern.

    * Wienerinnen sagt man ja sehr viel Charme nach

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  6. la-mamma

    muss die wahrheit immer irgendwo in der mitte liegen. außer jedem der beiden zu raten, mit dem anderen zu reden, und sich vorher so gut er das (noch) kann, in den jeweils anderen hineinzuversetzen, kannst du da gar nichts tun.
    so wie du es schilderst, ist es aber eher schon gelaufen, und deine freundin sucht nur mehr bestätigung. denn ganz so einfach wird auch sie sich ihre entscheidung nicht gemacht haben. und wenn sie etwas entschieden hat, kommen ihr alle gegenargumente absolut nicht mehr gelegen …

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  7. luckystrike

    REPLY:
    natürlich liegt es in der mitte.
    ich denke, man muß sie mal gehörig schubsen, ihn auch, und dann sollen sie sich mal ein paar monate in ruhe lassen, bis sie alle wieder bei sinnen sind.

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  8. luckystrike

    REPLY:
    Solange es noch ein Paar geworfene Schuhe in einem fernen fremden Land gibt, die ihr wohl ausgesuchtes Ziel nur knapp verpassen, oder ein Mega-Daten-Supergau sich als Christstollenverwechslung entpuppt, kann die Welt nicht ganz schlecht sein.
    Vielleicht ein wenig off kilter. Helter skelter.

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  9. larousse

    REPLY:
    das ein erweckender Tritt ganz gut täte, an dieser Stelle. Abgesehen davon, dass die Lebensumstände von aussen gesehen zu diesem Schluss führen mussten – wo bitte sind da Gemeinsamkeiten? – habe ich den Eindruck, dass sie mit den Füssen nicht wirklich Bodenkontakt hat. Er reisst sich den Hintern auf, und sie weiss dies in keinster Weise zu schätzen, nicht einmal zu versuchen, obwohl sie ja ganz klar ihr Lebensniveau seinem Einsatz zu verdanken hat. Ich stehe dem mit Unverständnis gegenüber und bin froh für alle Beteiligten, dass Sie sich eingemicht haben, Herr Lucky.
    Auch wenn Sie jetzt leider die A*schkarte dabei gezogen haben…

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  10. horizont (Gast)

    und unterm strich können die beiden vermutlich nicht mal was dafür, denn bei den ohren meiner großmutter – es sind die zeiten. die sterne oder was auch immer – das UNIVERSUM, das im Moment TOTAL auf Krawall gebürstet ist.
    hätt ich noch einen Blog, würd ich eine Liste von Ereignissen aufschreiben aufschreiben, die mir keiner glaubt. Eine haarsträubende Mischung aus weltweit und ganz persönlich, ein LANGE Liste auf der positive und negative meldungen durch. die. decke. gehen
    mein Rat?

    LAUFT UM EUER LEBEN!
    das ende ist nahe…

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  11. luckystrike

    REPLY:
    Tja – momentan ist sie komplett in Rage und nicht mit Einwürfen zu erreichen. Ich bündele über die Feiertage Kärfte und Strategien mit einer gemeinsamen Freundin und dann schauen wir…

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