Archiv für den Monat: Oktober 2008

Wegen der Aufsteckohren, wahrscheinlich

Es war absolut nicht in Ordnung von dem Bären, daß er Annie Lennox gefressen hat (wahrscheinlich weil sie wieder diese Fell-Aufsteckohren auf hatte), aber richtig gruselig wurde es, als er Anett und mir hinterher jagte. Zwar konnten wir uns über die Dachbodenluke retten, aber wir hätten da mit dem zähne- und krallenfletschenden Bären ausharren müssen, bis entweder der Bär oder wir verhungerten. Gottseidank haben Träume ein kurzes Kurzzeitgedächtnis.

Mir dann aber zur Strafe verbieten zu wollen, mehr Pflanzen auf die Terrasse zu pflanzen, war unverschämt, zumal ich früher noch viel mehr hatte und es arg frugal aussah.

Ürgs

… und außerdem nervt und ekelt mich dieser Typ bei Gayromeo, der einen Bauch-Fetisch hat und immer mein Profil besucht. “Entsaften” will er. Und Füttern. Bjäch!
Go home! Stay there! Unterm Tisch!

Rosalie goes Shopping on Wall Street

Ich könnte kotzen. Hunderte Milliarden werden vom Staat in einem System versenkt, das im Wesentlichen wie ein Kettenbrief funktioniert: so lange noch irgendwer einen Bluff kauft und weiterverkauft, läuft es weiter und weiter und weiter. Anstelle dass man es genau an dieser Sollbruchstelle auf die wirklich funktionierenden Bestandteile gesund schrumpfen läßt. Mit einem Bruchteil des weggeworfenen Geldes könnten dagegen zumindest die wichtigsten Vorsorgen und Vermögen der kleinen Leute abgesichert werden, ohne Risiko. Aber der Staat hats ja, es zahlen ich, du, er, sie, es, wir. ihr und sie.

Wenn ich als Geschäftsführer meiner kleinen Firma einen Fehler oder dubiöse Geschäfte mache und mich dabei verspekuliere, dann ist ganz einfach aus die Maus für mich und meine Kollegen, und ich selber muß für alles haften, so daß ich auf Jahre eh besser auswandere oder wasweißich. Das interessiert dann keine Sau.

Es gilt halt doch immer das Rosalie-goes-Shopping Prinzip: Hast du 100.000 € Schulden, ist das dein Problem. Hast du 100 Millionen Schulden, ist es das Problem deiner Bank. Und wenn es 100 Milliarden sind, dann versucht es die Bank dem Staat, also allen, überzuhelfen. Hauptsache, alle haben ihre Provisiönchen im Trockenen, auf Überseekonten am besten, mit Strand.

Muttermund

Etwas widerwillig, aber es bleibt nötig, da sind Glammie und ich uns einig: Es ist Zeit, ausgerechnet Sally Fields mal etwas Dank und Tribut zu zollen.
Eigentlich gehörte Sally Fields für mich in den Sack mit Schauspielern, wegen derer man sich Filme gezielt nicht anschaut, zusammen mit Zeta-Jones, Tom Hanks, Robin Williams, Kevin Kostner, ach, so einige.
Ausnahme “Steel Magnolias” aus den 80ern, das war schon ein schöner Film, auch wenn man den heute nicht mehr ernsthaft gucken kann. Aber einige der Zitate sind imme rnoch großartig.
Auch da schon, wie auch in dem kackschlimmen “Nicht ohne meine Tochter”, die Rolle ihres Lebens, MUTTER.
Mit diesem verletzten Rehblick, und diesen Mundwinkeln, die sich in unbeobachteten Momenten breit und weit nach unten sacken lassen. Die müssen dann gar nicht mehr von all den Sorgen erzählen, die sie sich immer um das Kind gemacht hat, den Schmerzen und Entbehrungen, und all den kleinen und großen Enttäuschungen, für die sie ihr Leben geopfert hat.
Kurz, man mochte sie immer nur schlagen.

In Brothers & Sisters aber ist dieses Talent unglaublich gut aufgefangen und eingesetzt. Komisch, berührend, lebensvoll. Eine wunderbar geschriebene Serie um eben diese Mutter, 2 Töchter, 3 Söhne. Eine Familienserie, aber im guten Sinn.
Klar geht es vorhersehbar um Liebe, Tod, Scheidung, Lügen und Geheimnisse, Sucht, Familie, das ganze Soap-Paket eben, aber eben die Umsetzung ist phänomenal und großartig. Charaktere, Storylines, jede einzelne Folge eine Überraschung.
Und ein Wiedersehen mit Callista ‘Ally’ Flockheart (auch wenn ich es manchmal schmerzhaft finde, ihr beim schauspielen zuzusehen, gibt es eigenlich auch einen Plural zu Botox?), Rachel ‘Brenda’ Griffiths aus Six Feet Under und einem wiederauferstandenen runderneuerten Rob Lowe.
Genau das Richtige für Familienallergiker wie mich an frühen dunklen Herbstabenden.

Ich im Nirwana

Es ist schon erstaunlich, wie so 4 Tage Krankfeiern (wer hat sich eigentlich das Wort ausgedacht?) sich zusammenziehen können – keinerlei Gefühl davon, wie viel Zeit vergangen ist, ein Wimpernschlag und doch eine unendliche Strecke.
Seltsam, aber bin jetzt wieder dabei.

Reload

Eine Erkältung dauert ja, so sagt man, zwei Wochen, wenn man sie behandelt, andernfalls geht sie nach 14 Tagen weg.

Wenn es einem nach 14 Ttagen eher nochmal neu total beschissen geht, ist das dann eine neue Erkältung oder ein Reload?

Berlin braucht (k)eine Freiheitstatue

Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free,
The wretched refuse of your teeming shore;
Send these, the homeless, tempest-tost to me,
I lift my lamp beside the golden door!

Es sind nicht mehr die überzähligen schlesischen Bauernsöhne und -töchter des vorletzten Jahrhunderts auf der Suche nach Einkommen und ein wenig Glück, die nach Berlin kommen, um billige Tagelöhner zu werden oder auf dem Strich zu enden, und auch keine russischen Aristokraten, die vor der roten Revolution flüchten.
Heutzutage sind es vor allem Spanier und amerikanische Rich Kids, die auf ihren One-Year-in-Europe nochmal schnell alle Drogen ausprobieren, bevor sie ihr Studium zum Million-Dollar-Anwalt beginnen und mit Exaltiertheit und schlimmen Friedrichshainfrisuren vorm Barbie Deinhoffs nerven.

Nein, für mich wird Berlin immer die heruntergekommene, bucklige Verwandte sein, in deren ungepflegter Wohnung sich der willentlich oder unwillentlich nicht passende Teil der Verwandtschaft sammelt. Aus meinem Dorf haben es außer mir noch zwei Nachfahren aus den Nachbarshäusern nach Berlin geschafft, die sich vor was oder für was auch immer aus der Enge des Dorfes auf Nimmerwiedersehen nach Berlin geflüchtet haben. Ich kenne sie leider nicht näher.

Immer schon hat Berlin Platz geboten, sowohl (immer noch billigen) Raum wie auch Nischen fürs Anderssein, fürs Nicht-Funktionieren, fürs Wundenlecken, fürs Ausprobieren, wenn auch bestimmt nicht Trost. Berlin, die alte kalte Mutter mit den ungepflegten Füßen, hat eine harte Schulter, dafür aber manch blinden Fleck auf der Netzhaut.

Wenn auch der schützende Windschatten der Mauer weg ist und der Wind der wiedervereinigten BRD härter und kälter weht als früher, so bleibt Berlin doch eine Flüchtlingsstadt, so wie Amerika in seinen besten Zeiten ein Einwanderungsland war, allerdings eher ohne den amerikanischen Traum und das Heilsversprechen.

Mir jedenfalls werden immer noch die Augen feucht, wenn ich nach langer Fahrt endlich den Funkturm auf der AVUS erblicke (ich fahre grundsätzlich dort in die Stadt, auch wenn andere Wege viel günstiger wären für mich).
Dann muß ich mir nur noch irgendwie die Siegessäule dazu denken, dann habe ich sowas wie eine Berliner Freiheitsstatue – soviel muß man in Berlin halt schon immer selbst dazu tun.

Mehr Licht! oder: In weiter Ferne lauter Licht

Die Schwerkraft ist überbewertet
man braucht sie gar nicht
wie man wohl im Weltall sieht.
Und die Sonne kocht auch nur mit Wasser
die soll sich nicht so aufspielen
die gelbe Sau!

Gestern war ich bei PeterLicht, jaja, ich hab ihn live gesehen! Das große Geheimnis ist gelüftet: es gibt keins. Warum er sein Gesicht in dem Medien nicht zeigt: kein Marketinggag, kein Medienhype, es ist ganz einfach unwesentlich, wie er aussieht. Ein nicht sehr großer schmächtig-drahtiger Mann mit lichten (sic!) blonden Haaren und Brille, die er immer wieder die Nase hochschiebt. Hübsch auf eine angenehm unspektatuläre Weise.

Das gleiche galt für das Konzert. PeterLicht und 3 Bandkollegen, möglichst unauffällig gekleidet, auf der nackten Bühne des Maxim Gorki. Unbedarft, uninszeniert, wie ein Studentenkonzert der Nerd-AG.
PeterLicht ist auf jeden Fall der unwahrscheinlichste Performer, wie er am Anfang eher distanziert da steht und später in Fahrt kommt und sich etwas absurd zur Musik und seinem Gesang bewegt. Grad das macht es so unglaublich sympathisch, und anders ginge es bei seinen Liedern auch gar nicht.

Hauptsache wir sitzen
am Ende alle im selben Heim
denn ohne all die andern Getrennten
möchten wir nicht alleine sein!

Und ach die Lieder, irgendwo zwischen postsozialistischen Pfadfindersongs und Alltagsyhymnen. Die Stimme die in ihrem Knabentimbre einfach an das Gute glauben muß.

Das absolute Glück
Und wo du bist, da kann kein anderer sein
und würd ich wissen, wo das ist,
dann würd ich wissen, wo kein anderer ist
dann würd ich wissen wo das ist


Wunderschönes Video mit einem menschenleeren Alexanderplatz

Und ach die Texte – von spröden Parolen bis hin zur feinsten Lyrik. Über die letzte Platte Lieder von Ende des Kapitalismus hatte ich mich erst einmal furchtbar aufgeregt, aber sie ist mir über die Zeit ans Herz gewachsen. Die neue CD Melancholie und Gesellschaft – ich mußte heulen, so schön ist sie an Stellen. Keiner kann eine spröde Alltagsbeobachtung so in eine Hymne überführen wie PeterLicht, so das Herz vom Blick in die Gosse zum erhabenen erhebenden Blick in den Horizont leiten wie er.
Von Kammertrauer zum Anschluß ans Universum in drei bis fünf Akkorden. Das kann nur PeterLicht. Einer wie keiner!

Lieber PeterLicht, ein Hühnchen habe ich aber noch mit dir zu rupfen: deine beiden ersten CDs sind so dermaßen kopiergeschützt, daß ich sie nicht einmal in mein Itunes einspielen kann, und heutzutage höre ich Musik nur noch darüber.
Ich habe alle CDs und Singles handgekauft, und ich finde, es steht mir zu, die hören zu können wo ich will, und auch mal in einen Verschenkmix zu mischen. Also, wenn du wirklich anständig wärst, dann würdest du mir die Lieder der ersten beiden Platten nochmal ohne diesen Scheißkopierschutz schicken.

Und hier noch eins das unglaublich zur aktuellen Lage paßt (Video nicht von PeterLicht)
Vorbei vorbei vorbei – ist ja auch lang genug gewsen