Flughafen am rechten Fleck

Mir war ja grundsätzlich absolut klar, wofür ich am Sonntag abstimme: PRO Tempelhof, keine Frage.

Warum? Angeborene Renitenz, das gute alte Westberliner Berlin-Berlin-Gefühl.
Und weil ich Schönefeld abgrundtief hasse und verachte. Allein der Weg dorthin. Eine Weltreise. Gut, die Autobahn ist fertig, aber Parken ist teuer, und man kann kaum einfach in einer Nebenstraße parken. Taxi kommt auch ziemlich teuer.
S-Bahn fällt aus, weil ich nach einem schönen Urlaub nicht gleich in einer Horde aasgesichtiger Eingeborener oder gar Faschobanden durch No-Go-Areas gefahren werden will, das hat mir letztes Mal innerhalb von Minuten das ganze Urlaubsgefühl zertrümmert, wenn auch gottseidank keine Knochen.
Und natürlich das geile Gefühl, gleich vom Flughafen ins Flugzeug zu steigen, oder umgekehrt, bei einer Ankunft in Tempelhof kam man sich vor wie JFK oder in einer Szene von Billy Wilders ‘Eins, zwei, drei.’
Genaugenommen bin ich allerdings erst einmal von Tempelhof geflogen, nach London Docklands. Damals mußte man nur 10 Minuten vorher da sein. In die U-Bahn, Fliegen, ankommen, abgeholt werden: ich war in anderthalb Stunden von Haustür zu Haustür. DAS nenne ich ein kosmopolitisches Lebensgefühl!

ABER: Wer alles dafür ist, das ist definitiv unsexy. Das wäre das erste Mal in meinem Leben, daß ich einen CDU-Standpunkt unterstütze, was mir sehr unbehaglich ist. Ich, der ich zu 99% auch dem attraktivsten CDU-Anhänger Geschlechtsverkehr aus Gewissensgründen verweigern würde. (Ausgenommen derer, die ich vorher nicht gefragt habe…)
Und diese Kampagne, die ist mir zu fett. Zu viel Geld dahinter, wer steuert das aus welchen Interessen bei? (nicht daß die ‘Ich fliege uff-Berlin’-Kampagne nicht peinlich gewesen wäre) Postwurfsendungen, Megaplakate. Nein, ich möchte nicht mit sowas zugeschissen werden.

‘Nein’ werde ich aber definitv nicht stimmen. Entweder ignoriere ich die CDU und folge meiner Renitenz oder ich gehe gar nicht erst hin.

(Ist ja auch noch die Frage, ob die Volksabstimmung überhaupt etwas bewegen kann, oder ob es nur Zierdemokratie ist, ein funktionsloser Spoiler am Heck des hauptstädtischen Nissan)

5 Gedanken zu „Flughafen am rechten Fleck

  1. Hühnerschreck (Gast)

    also die volksabstimmung hat hier im wilden osten neulich was gebracht. da gings um den verkauf der stadtwerke, mit dem sich die haushaltsoberen ihren hh-plan schöngerechnet hatten – und das haben ihnen die leipziger verweigert.
    insofern scheint die gelobte und gehasste demokratie noch nicht ganz tot zu sein.
    alsdann: viel erfolg!

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  2. glam (Gast)

    ich bin auch sentimental mit temeplhof. 8 jahre einflugschneise. beim ersten flieger, der über meine dg-wohnung bretterte, war ich sicher, das ist ein absturz. war aber nur ne landung. wenn ich nicht eh schon pro tempelhof wäre, dann seit den plakaten von den grünen, wo die wahrscheinlich-erziehungswissenschaften-studierende mit den eng zusammstehenden augen und dem aasigen blick ein kind in die kamera hält, das sie sich für diesen zweck bei ihrer nachbarin geliehen haben wird. die rentnerin mit der falschen grammatik ist dagegen fast ne erholung.

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  3. luckystrike

    REPLY:
    hier scheint allerdings weitgehend schon alles beschlossen zu sein, ich habe aber jetzt auch nicht den ehrgeiz, das alles aufzuarbeiten – lass ich mich überraschen!

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  4. luckystrike

    REPLY:
    die Kampagne ist echt peinlich. die versuchen einen optisch zu duzen, und raus kommt dabei nur, was die für ein Bild von Berlinern haben. so wie die mißglückte Sparkassenkampagne vor einiger Zeit.

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  5. Hühnerschreck (Gast)

    REPLY:
    :o) ach ja, werbung … die werbekampagne hier in leipzig war so grottenschlecht, dass es schon wieder lustig war.
    durch den blätterwald ging monatelang die überschrift “verkauf der stadtwerke – ja oder nein” (und ähnliches). rgendein (sicher vom rathaus bezahlter) werbefachmann muss sich gedacht haben, wie praktisch, da formulieren wir einfach die frage so, dass man mit “ja” stimmen muss, wenn man will, dass die stadtwerke NICHT verkauft werden. hat aber nicht geholfen, es konnten offensichtlich doch zuviele leute nicht nur lesen, sondern haben das auch noch getan.

    nun denn, n schönen tag und feierabend allerseits!

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