cheap thrills: katastrophenfilme

Schon immer, aber besonders seit “Snakes on a Plane” bin ich ja ein großer Fan von Katastrophenfilmen, besonders Flugzeug-Absturz-Filmen, weil dort das Repertoire an Handlungsmöglichkeiten und deren Variation so begrenzt ist. Und die Umsetzung deswegen umso spannender.

Bei meinem Billigfilm-Shopping-Spree bei Amazon hab ich mir dann “Airport ’75″ geholt, zu deutsch “Giganten am Himmel” (indeedy). Eigentlich nur, weil es Gloria Swansons definitiv letzter Film ist, nach über 60 Jahren im Job. You don’t know who G.S. is? Go hang yourself or watch “Sunset Boulevard” by Billy Wilder. Subito!
Sie spielt sich selbst, und das gut. Sogar der Stuntman, der die Notrutsche am Ende runterrutscht, spielt sie gut.

Ein herrlicher billiger 70er-Jahre Film, cheap thrills, ein bissel ranzig, und star-studded, wie man das damals so hatte. Man kann Myrna Loy sehen, die eigentlich durch die 40er Serie “The Thin Man…” berühmt wurde, aber hier spielt sie eigentlich Bette Davis, also im Prinzip ein Film mit Gloria Swanson und (fast) Bette Davis zum Preis von nur einem.

Charlton Heston, ebenfalls Hollywood-Dinosaurier, spielt den männlichen Retter. Das war zwar vor der Zeit, als er zum rechtskonservativsten Arschloch diesseits des Papstes mutierte, aber auch damals hatte er schon zu viele (sehr gelbe) Zahne für nur ein Gesicht.

Zwei Nonnen gibts zeitgemäß auch, und Nancy Olson, die Betty Schaeffer aus Sunset Boulevard, erkennt man gereift wieder. Sie spielt die Mutter von Linda Blair, die, anscheinend vom anstrengenden Exorzistentum gebeutelt, neue Nieren braucht. Sie hatte aber auch eine ungesunde Hautfarbe in den Filmen.

Den Part der Stewardess, die das Flugzeug nach Abgang der Piloten fliegen muß, spielt Karen Black. Karen Black war für amerikanische Filme der 70er das, was Prilblumen für deutsche Küchen waren: überall, ärgerlich, nichtssagend, charakterlos, und schwer zu entfernen. Aber erstaunlich, wie wenig Wind in dem immerhin geplatzten Cockpit zur Verfügung stand, um ihre Frisur wenigstens ein wenig mehr dramatisch durcheinander zu bringen.

Was auffällt im Gegensatz zum 00er “Snakes on a Plane”: Heutzutage hat der Verbraucher enscheinend mehr zu sagen, im 75er Airport pochen die Passagiere noch nicht so sehr auf ihr Recht auf Erfüllung der Dienstleistung und Information und lassen sich selbst in der größten Turbulenz noch mit Minibarportionen von Bourbon abfinden.
Und Karen Black darf das Flugzeug noch nicht alleine landen, denn damals gestand man Charlton Heston noch eine Existenzberechtigung zu. Heutige Stewardessen in Katastrophenfilme können ihre Flugzeuge schon auch selber landen.

(oops, welch peinliches timing, fast genau 30 jahre nach der landshut. sorry.)

19 Gedanken zu „cheap thrills: katastrophenfilme

  1. Aurisa

    Köstlich geschrieben :)!
    Nur schade, daß ich jetzt den Film nicht hier habe… sonst würde ich mich vermutlich totgrinsen beim anschauen… nach DER Filmkritik ;)…
    Viele Grüße
    Aurisa

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  2. Aurisa

    REPLY:
    Ne ne, DAS wollte ich mir jetzt dann doch auch nicht antun ;)…
    Obwohl ich mich ja vage an diesen Film erinnern kann… und zu meiner Schande gestehen muss, daß ich ihn wohl ganz nett fand… damals… aber ‘damals’ ist schon verdammt lang her… ich glaube das läuft jetzt unter ‘Jugendsünden’ ;)…
    Viele Grüße
    Aurisa

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  3. luckystrike

    REPLY:
    stimmt, sie schielt gewaltig, da hätte ich selber drauf kommen können, daß es nicht machismo war, daß sie nicht selber landen durfte, nein, sie war zu blöd, um das zu spielen. tsktsktsk.

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  4. luckystrike

    REPLY:
    das ist doch diese englsiche ‘carry on’-serie, oder? der kann ich nicht so viel abgewinnen. der nackten kanone dagegen schon. schöner pelz übrigens. wie bitte!? na, der biber!

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  5. luckystrike

    REPLY:
    herr rob, respekt, da haben Sie doch nebenbei ein zukunftsträchtiges showformat fürs privatfernsehen entwickelt – gegen eine prozentuale beteiligung dürfen Sie das gerne verkaufen und verwirklichen.
    der clou: der zuschauer weiß, daß es eine reality-show ist,, nur die beteiligten nicht. und damit sind alle fernseh-zombies gleich entsorgt. dürfte allerdings schwer sein, damit in serie zu gehen. wir müssen aber unbedingt noch desiree nick, heidi klump und kerner einbauen.

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  6. r|ob (Gast)

    REPLY:
    Aufgrund seiner investigativen Moderation ist Kerner doch schon für die Neuauflage des “Nürnberger Prozess” vorgemerkt – Frau Nick kommt bei bestem Willen nicht auf die Mattscheibe. Das wäre audiovisuelle Geiselnahme.

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  7. Casino

    ah lucky, an mein herz! ich liebe katastrophenfilme, fast alle. ich bin für einen k-film-day, vielleicht mal einen abend mit 3 stückern hintereinander? flugzeuge, vulkanausbrüche, stürme, meteoriten mit chips. es wird november, dochdoch, da wirds früher dunkel, vielleicht kann man sogar 4 filme gucken! abgemacht? im ernst, man braucht ja aussichten im herbst.

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  8. glamourdick

    karen black durfte nicht landen, weil sie schielt. weshalb ja auch in “speed” sandra bullock die weibliche hauptrolle spielt und nicht britney spears oder jayne mansfield.

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  9. Jekylla

    dass ich leicht zu erheitern bin, aber ich bevorzuge die Comedy-Variante des Werkes, “Airplane” – deutsch: “Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug”, die Mutter aller nackten Kanonen quasi.

    Hätte Ihnen gerne den Link zu einem meiner Lieblingsdialoge geschickt, aber ich komm ja von HIER nicht auf mein Blog. Also stellen Sie ihn sich eben einfach vor. :-)

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  10. r|ob (Gast)

    Die moderne Variante des nahenden Flugzeugabsturzes sieht so aus:
    1) Maschine kommt ins Trudeln
    2) Der Kapitän ruft ein Casting aus
    3) Die Crew wählt den Superpassagier, der dann auch tanzend (Choreografie der dicke D. )ins Cockpit schlawänzelt
    4) Werbung
    5) Die Maschine trudelt immer noch,aber die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, da Mario Barth sein 34. Aufguss seines Programms präsentiert “Frauen sind doch nicht so doof”
    6) Charlton Heston, der sich aus dem Cargobereich befreit hat, schießt sich den Weg zur Bordküche frei, trifft dabei 2 Stewardessen, die sich Flugbegleiterin nennen und entschuldigt dies mit dem Hinweis, dass US-Staatsbürger ein verbrieftes Recht haben, zu schießen und ggf. zu treffen.
    7) Eine Rakete trifft das Flugzeug – natürlich nur präventiv – da die Bundesregierung davon ausgehen musste, dass das Flugzeug absichtlich in den Vorgarten eines Bundesministers gesteuert würde
    8) Dieter Bohlen stellt seinen neuen Titel “Au wei in the sky” mit dem reanimierten Herrn Anders vor.
    9) Die Maschine steht kurz vor dem Aufprall – der Papst sendet schnell noch eine Grußbotschaft
    10) Karen Black ruft an und merkt an, DAS hätte sie auch noch hinbekommen…

    Der Film endet mit einem großen Knall und der Langnese-Eisverkäufer kommt verspätet in den Kinosaal…

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  11. casino (Gast)

    REPLY:
    einen au wei in the sky – abend, mit vulkanausbrüchen zum ausklang? (dammbrüche lieber als dammrisse, aber ich weiß auch nicht, wie man das nennt, das du meinst)

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