weltschmerzhelden im doppelpack

Das wichtigste gleich vorweg: das Placebo-Konzert war lustiger, denn da gabs wunderschöne heiße Schnittchen. Mit doppeltem Dekollete-Trick, aber ich weiß nicht, ob ich solche Fotos hier einstellen darf….
Professionell vorbereitet und vorgeheizt mit einem halben Liter Absolut-Raspberry durch drei (zum ersten Mal war ich meinem gewaltigen Schnupfen dankbar) hatten wir relativ schnell recht nah an die Bühne gefunden und waren so gleich verpflichtet, mitzurocken und zu pogen. Nein, nicht Pogo wie früher, denn Placebo hat ein (wahrscheinlich Kunstgeschichte oder was mit Medien) studiertes Publikum, die sich immer entschuldigten, wenn sie einen anrempelten. Größtenteils attraktiv auch noch dazu. Und wenn jemand die Digitalkamera runterfiel, hörten alle auf zu tanzen und halfen suchen. Das war aber auch besser so, schließlich hatte die Rockschnitte 7-cm-Stilettos an und ich bin ein alter Sack nicht mehr der jüngste, wie ich am nächsten Tag feststellen mußte, als ich mich vor Muskelkater kaum mehr aufs oder vom Sofa runter hieven konnte.
Also, Placebo & Morrissey an einem Wochenende, ein Tag Pause dazwischen. Der Soundtrack zum Weltschmerz, zur Wut, zum Unglücklichsein, und dann so geballt. Emo-Rock und Selbstmitleids-Crooning für die 80er-Sozialisierten. Das ist schon ne Ladung.
Erstaunlich war das Placebo-Konzert ganz einfach ein supergutes Rockkonzert, die Jungs haben die Halle in Atem gehalten, fast gar nichts zwischendurch geredet und einfach gute Musik gemacht. Das Schnittchen hat genauere Beobachtungen zur Gitarrenarbeit, ich hatte je eher Brian Molko im Auge, und der war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte, einfach geradeaus, gut bei Stimme und Gitarre. Ein bissel mehr Glam wär schon schöner gewesen, aber meckern kann man nicht wirklich. Schöne Videoprojektionen gabs übrigens auch.

Und dann Morrissey. Es kann ja immer auch peinlich sein, wenn man jemand gegenübertritt, den man sehr verehrt hat, und der einen wertvolle Jugendjahre gekostet hat, in denen man sich auch ganz einfach toll hätte amüsieren können. So wie ich, ungefahr 3 Jahre zu spät, einmal The Cure live gesehen habe und vor Lachen fast gestorben bin, als ich Robert Smith das erste Mal in echt gesehen habe. Und dafür gerechterweise ordentlich Dresche von den Fans bekommen habe. Morrissey habe ich vor ca. 12 Jahren schon einmal live gesehen, und war sehr erstaunt, daß da kein spacker weicheiiger Jammerlappen auf die Bühne kam, sondern ein großer selbstbewußter Mann mit einer außerordentlich kraftvollen und extrem bösartigen Ausstrahlung, so bösartig, daß ich erstmal weiter nach hinten wechselte. Vorsichtshalber.
Heute und ganz vorne habe ich gesehen, daß das Alter ihm gut bekommt. Auf der Bühne war ein gut aussehender Mittvierziger, bei bester Laune, bei bester Stimme, mit einem kompletten Leben an Bord. Sogar die eher langweiligen Songs seiner letzten beiden Platten wurden durch die großartige Band und seinen Gesang sehr lebendig. Ok, jemand sollte ihm sagen, daß er auf untaillierte Hemden umsteigen soll. Aber wer bin ich, das mußte ich ja auch erstmal begreifen.
Ansonsten hat er das ganz gut getroffen, als er sang ‘It’s the same old S.O.S.’ Wenn er noch ein bissel die Kurve kriegt mit Jammern, dann gehe ich auch in 20 Jahren gerne zum Morrissey-Konzert, dem Frank Sinatra derer, die ihre verstörte Jugend in den 80ern verbracht haben.
Das Publikum übrigens bestand zum guten Teil ganz unerstaunlich aus offensichtlichen Singles, weswegen es auch mir nichts ausmachte dort alleine hinzugehen, und ein paar Pärchen, bei denen die Frau immer mal sorgenvoll den Gatten prüfend anschaute. Und Schwulen in Lederjacken und weißen Rollkragenpullis, die weder klatschten, noch sich bewegten oder gar schwitzten, die aber einen Kopf größer immer vor mir standen und das ganze auf Handy aufnahmen, wohl, damit sie es nachher bei youtube einstellen können. Und alles Anrempeln half nix, die waren unerschütterbar. Ist ja auch viel besser sich das hinterher mal ganz in Ruhe anzuschauen.

Zum Schluß sang the MOZ auch noch in Variation ‘Please, please, let me get WHO I want this time. The times, they are a-changing. Und nächstes Jahr möchte ich nichts traurigeres mehr hören als ‘Oops, I did it again’. Gerne auch von Placebo und/oder Morrissey.

5 Gedanken zu „weltschmerzhelden im doppelpack

  1. arboretum

    Kommentar meiner kleinen Schwester zu seinen Hemden:
    In dem taillierten Hemd und mit dem Schlips, mit dem er anfangs auf die Bühne kam, hätte er auch ein Autoverkäufer sein können.

    Kein Wunder, dass der die Hemden immer ins Publikum wirft.

    In Frankfurt sang er ja let me have who I want.

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  2. arboretum

    REPLY:
    Das nächste Mal kommen Sie vielleicht besser nach Frankfurt, da gibt’s mehr Hemden, ein gemischtes Publikum, niemand rempelt und die großen schwulen Jungs stehen einem auch nicht regungslos vor der Nase herum. ;-)

    Man könnte ihn übrigens auch schon fast als Endvierziger bezeichnen, mit seinen 47 1/2 Jahren.

    Stümmt, die Schuhe sehen so aus, als seien sie aus Leder.

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