Archiv für den Tag: 17. Februar 2006

du bist deutschland – hitlers barfrauen – nach dem vorspiel

04

Es war mit Sicherheit einer der schönsten Abende meines Lebens.
Beste Freundin Paula Sau und ich veranstalteten im örtlichen SchwuZ (für die genetisch anders benachteiligten: Schwulenzentrum) die ASO-BAR – lange bevor Hartz-Opfer erfunden waren. Uns ging es nicht um den sozialen Aspekt sondern um die ästhetische Komponente:

03

Wochenlang hatten wir alte Fischdosen und Joghurtbecher gesammelt. In ersteren wurden die bewährten Goldfischlis serviert, in letzteren die Pommes-Bowle (Apfelschnitze in Frittenform in Bowle, wahlweise rot oder weiß oder Schranke)
Statt Disco-Blinkerei gab es Putzlicht.
Ebenfalls hatten wir wochenlang abgestorbene Zimmerpflanzen gesammelt, mit denen liebevoll dekoriert wurde. Später wurden ebenwelche zum Raufen und Um-die-Ohren-Werfen verwendet.

Die Tische waren liebevoll mit Aldi-Tüten als Tischdecken gedeckt, und zu trinken gab es neben Korn und der PommesBowle, die selbstverständlich mit einer (zugegebenermaßen frischen) Klobürste umgerührt wurde, nur Hansapils.

Zur Abrundung des Abends hatten die GastgeberInnen sich nicht wenig Mühe gegeben:

05

Großzügiges Mund- und Augen-Makeup, großzügiger 3Tagebart (homegrown), Zahnlücken by Kajal, liberal Nagellack über die Hände, Kittel und Schlüpper by Altkleidercontainer Wrangelstraße, Adiletten by Mitbewohner, Stützstrümpfe by Altenheim.
Bremsstreifen hintenrum by Hanuta (über Feuerzeug erwärmt), gelbe Flecken vornerum by Cappy und Blut an den Beinen by Kirschsirup.

Ein wunderschöner Abend, der leider die Besucher- und Umsatzzahlen des Zentrums nicht erfüllt hat, aber alle, die sich doch hereingetraut haben, und besonders die, die an der Zimmerpflanzenschlacht teilgenommen haben, sehr sehr glücklich gemacht hat.

Those were the days, my friend… ;-)
Was das nun mit ‘Du bist Deutschland’ zu tun hat, und der Hitlers irgendwas-Reihe? Die Ästhetik und das Gefühl im Magen, wenn man drauf stößt, schätz ich mal.